Börsenausblick, Konjunktur, Marktbericht KW 33
die Nervosität am Frankfurter Parkett ist weiterhin allgegenwärtig. Neue Schreckensmeldungen bezüglich der amerikanischen Hypothekenkrise ließen den DAX am Freitag zeitweise bis auf 7.294 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Ende April fallen. Zu Beginn der neuen Handelswoche konnte sich der deutsche Leitindex zwar zunächst erholen, erneut schwache US-Vorgaben drückten ihn zur Wochenmitte aber wieder in den roten Bereich.
Finanzkrise zieht ihre Kreise
In den vergangenen Tagen zeigte sich, dass die Finanzmarktkrise immer weitere Kreise zieht. Auch in Europa sind zahlreiche Institute betroffen. So gab in der vergangenen Woche BNP Paribas die Einstellung und Rücknahme dreier Fonds bekannt. Die französische Großbank teilte mit, dass aufgrund mangelnder Liquidität eine Berechnung der Fondswerte nicht mehr möglich sei. Die Schließung der Fonds erfolgte am 7. August. Auch aus den USA kamen neue Nachrichten, die den Markt belasteten. Mit Countrywide Financial musste sogar der größte amerikanische Hypothekenspezialist existenzielle Schwierigkeiten bei der Refinanzierung eingestehen. Auch andere US-Institute wie Washington Mutual, die größte Sparkasse der USA, meldeten zunehmende Engpässe beim Weiterverkauf von Bankkrediten. Am Montag wurde bekannt, dass die Investmentbank Goldman Sachs gemeinsam mit Investoren zusätzliche drei Milliarden US-Dollar in einen angeschlagenen Hedgefonds steckt, der seit Jahresbeginn um fast 30% eingebrochen war.
Mehrheitlich gute Zahlen
Die Berichtssaison für das zweite Quartal, die in Deutschland nach wie vor auf Hochtouren läuft, rückte angesichts dieser Meldungen in den Hintergrund. Dabei meldeten die deutschen Unternehmen, insbesondere jene aus der zweiten Reihe, größtenteils erfreuliche Ergebnisse. Im MDAX konnten unter anderem der Generikahersteller STADA, der Finanzdienstleister AWD und der Baukonzern HOCHTIEF mit den vorgelegten Zahlen überzeugen. Mit E.ON präsentierte daneben auch ein DAX-Konzern ordentliche Ergebnisse.
Notenbanken pumpen Liquidität in die Märkte
Die Aktienkurse, die am Freitag vorübergehend massiv unter Druck geraten waren, konnten sich in der Folge wieder stabilisieren. Anteil daran hatten auch die Notenbanken, die mit ihren Interventionen die Märkte ein wenig beruhigten. Bereits am vergangenen Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank erstmals seit den Ereignissen des 11. Septembers 2001 einen Schnelltender in einem Volumen von 94,8 Mrd. Euro zugeteilt. Am Freitag stellte die EZB weitere 61 Mrd. Euro bereit. Dem schloss sich auch die US-Notenbank Fed an, die am Donnerstag und Freitag 38 Mrd. Dollar Liquidität in den Markt pumpte. Daneben beteiligten sich auch die Bank of Japan und die australische Notenbank an der globalen Hilfsaktion.
Lage stabilisiert sich
Zu Beginn der neuen Handelswoche setzten die Notenbanken die eingeschlagene Richtung fort und führten den Märkten weitere Liquidität zu, wenn auch in geringerem Maße. Beruhigend wirkte sich zudem aus, dass die Zentralbanken explizit ihre Bereitschaft zum Eingreifen zum Ausdruck brachten. Die EZB signalisierte, die Bedingungen am Euro-Geldmarkt weiter im Auge zu behalten. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte gestern, dass sich die Bedingungen am Geldmarkt wieder normalisiert hätten. Die notwendige Liquidität sei bereitgestellt worden, um das Funktionieren des Geldmarkts zu sichern. Die Lage hat sich zweifellos stabilisiert, die Tagesgeldzinsen gingen wieder zurück, und die Flucht in Staatsanleihen fand zumindest vorerst ein Ende.
Am Tropf der Wall Street
Wenngleich eine ernsthafte Liquiditätskrise damit vorerst gebannt scheint, ist die Nervosität der Börsianer aber keineswegs verschwunden. Dies lässt sich an der volatilen DAX-Entwicklung eindrucksvoll ablesen. Nach schwachem Start tauchte der Index am Dienstag im Tief bis auf 7.383 Punkte ab, drehte zwischenzeitlich dann in den grünen Bereich, um von seinem Tageshoch bei 7.493 Zählern wieder in die Verlustzone abzurutschen. Am Mittwoch gab der Index weiter nach. Die deutschen Anleger blickten dabei weiterhin auf die Entwicklung in den USA. Der deutsche Markt hängt wie so oft nach wie vor am Tropf der Wall Street. Die Zahlen heimischer Unternehmen geraten dabei schon fast zur Nebensache. Im Fokus steht allein die Hypothekenkrise.
Ende der Korrektur ist nicht in Sicht
Auch die charttechnische Lage bleibt weiterhin angespannt, und ein Ende der laufenden Korrekturphase ist nicht in Sicht. Nachdem der DAX am Freitag im Bereich der 7.300er- Marke nach oben gedreht hatte, konnte er zu Beginn dieser Woche seine letzten Tiefs, die bei knapp 7.400 Zählern gelegen hatten, zunächst zurückerobern, fiel am heutigen Mittwoch aber wieder zurück. Die Gefahr einer weiteren Abwärtsbewegung bleibt damit akut. Bei einem nachhaltigen Fall unter 7.300 Punkte liegt bei 7.200 Zählern noch eine Haltezone. Aber auch ein Rutsch in Richtung der 7.000er-Marke ist keineswegs ausgeschlossen. Ob es dazu kommt, wird vor allem von der weiteren Entwicklung der Wall Street abhängen. Dort zeigte sich der Dow Jones am Mittwoch erneut schwach und konnte nur mit Müh` und Not die 13.000er-Marke verteidigen. Von entscheidender Bedeutung ist hier aber vor allem die Unterstützung im Bereich von 12.800 Punkten, wo neben einer horizontalen Haltezone auch die mittelfristige Aufwärtstrendlinie verläuft. Sollte diese gebrochen werden, wird es auch für den DAX brenzlig! (Aktienservice.de)
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