Fehlende Blogs und interesse über Second Life

16.08. 2007 · Thema Allgemein 

In deutschsprachigen Blogs findet keine eigenständige und anhaltende Diskussion über die virtuelle Welt von Second Life statt.

Kaum ein anderes Online-Angebot kann auf einen vergleichbaren Medienhype zurückblicken wie die Internetplattform “Second Life” am Anfang dieses Jahres. In der deutschen Blogosphäre aber hat die virtuelle Welt von Linden Lab keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse der deutschsprachigen Blogosphäre, die die Kommunikationsagentur FAKTOR 3 gemeinsam mit der Berliner Unternehmensberatung complexium konzipiert und durchgeführt hat. Ausgewertet wurden im Rahmen der Studie “Kommunikation im digitalen Raum” Beiträge in der deutschen Blogosphäre von April 2006 bis April 2007. Die Auseinandersetzung mit dem Themenumfeld “Second Life” verläuft demnach parallel zur Entwicklung der allgemeinen Medienberichterstattung. So ist erst im Oktober 2006 ein signifikanter Anstieg zu erkennen, der dann während der Hochphase des Medienhypes im ersten Quartal 2007 mit bis zu 1.300 Postings (März 2007) seine höchste Intensität findet. Eine umfassende, anhaltende und vor allem diskursive Auseinandersetzung mit diesem Thema hat jedoch in der deutschsprachigen Blogosphäre weder vor noch unmittelbar nach der Medienhypephase stattgefunden. Auch in der qualitativen Analyse lässt sich keine stringente inhaltliche Entwicklung des Themas innerhalb der Blogbeiträge beobachten. So wird das Phänomen “Second Life” häufig nicht als Einzelthema vertieft, sondern vielmehr in einen direkten Bezug zum Web 2.0 und seinen Angeboten wie YouTube gesetzt.

Im Rahmen der Studie wurden für eine qualitative Analyse aus allen relevanten Beiträgen der deutschen Blogosphäre die signifikanten Themenschwerpunkte bestimmt. Ein Thema gilt dabei als signifikant, wenn es häufiger als üblich zu erwarten in einem Beitrag verwendet wird. Für die einzelnen Monate des Beobachtungszeitraums zeigt so ein Ranking, in wie vielen Beiträgen die entsprechenden Begriffe überproportional vorkommen. In der Gegenüberstellung der Monatsübersichten fällt dabei vor allem der Kontext zu bekannten Web 2.0 Angeboten wie YouTube oder Wikipedia auf, die ab November 2006 fortlaufend unter den Top 20-Themen zu finden sind. Und auch Communities wie MySpace, XING oder StudiVZ werden in den Blogbeiträgen auffallend häufig im Themenumfeld “Second Life” thematisiert.

Bei der direkten Auseinandersetzung mit der virtuellen Welt von “Second Life” als Einzelthema spielt in den Blogbeiträgen häufig der technische Aspekt eine wichtige Rolle. Dies zeigen vor allem die beiden Begriffe “Usability” und “Avatar”, die durch den gesamten Beobachtungszeitraum zu den signifikanten Themen gehören. In den ersten Monaten fiel zudem ein besonders häufiger Vergleich zum Online-Rollenspiel “World of Warcraft” auf, um das Phänomen “Second Life” generell einzuordnen. Gegen Ende des Beobachtungszeitraums spielte das Multiplayer-Game keine signifikante Rolle mehr. Als einziger Bestandteil der virtuellen Welt hat “AvaStar”, die “Second Life”-Zeitung des Axel Springer Verlags, den Sprung in die Blogosphäre und dort eine kontinuierliche Präsenz geschafft. Seit ihrem Launch im Dezember 2006 findet sich die “AvaStar” mit bis zu 74 Einträgen (Februar 2007) fortlaufend unter den Top 20-Themen der deutschen Blogosphäre.

Neben der zeitlichen und der inhaltlichen Perspektive zeigt die von FAKTOR 3 und complexium konzipierte Studie auch die Vernetzungsstruktur der relevanten Quellen im Themenumfeld “Second Life” auf. So prägten in der Frühphase nur einige wenige “Entdecker” die Einschätzung zu “Second Life”. Andere Blogger beziehen sich bis heute auf sie. Als Meinungsmacher in der deutschsprachigen Blogosphäre haben sich dabei vor allem “Notizen aus der Provinz”, “Basic Thinking” und “Bernd Schmitz” hervorgetan.

“Es hat uns doch sehr überrascht, wie wenig das Thema ‘Second Life’ trotz des allgemeinen Medienhypes in der deutschsprachigen Blogosphäre letztlich stattgefunden hat und vor allem diskutiert wurde - und das sowohl in quantitativer als auch qualitativer Sicht”, so Heiko Lammers, Unitleiter bei FAKTOR 3. Für werbetreibende Unternehmen sollte dies ein erster Indikator dafür sein, dass neue digitale Räume wie das ŽSecond Life’ kein Selbstgänger für die Online-Markenkommunikation darstellen.

“Immer mehr Unternehmen schätzen die Stimmen der Blogosphäre als wichtigen Resonanzraum und investigatives Trendlabor. Gerade für erst entstehende Lösungen und neue Produkte können so frühzeitig wertvolle Hinweise generiert werden”, so Prof. Dr. Martin Grothe, complexium Geschäftsführer und Gastprofessor am Institute of Electronic Business in Berlin. “Aktuell gilt dies beispielsweise für den noch unscharfen Bereich IP-TV.” (faktor3.de)



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